
Ätna
Der Ätna auf der italienischen Insel Sizilien gilt als zweithöchster Vulkan Europas. Seine Gipfelregion liegt etwa 3323 Meter über dem Meeresspiegel, wobei seine Höhe nach jedem Ausbruch variieren kann. Der Ätna ist der einzige Vulkan Italiens mit einer so beachtlichen Höhe, weshalb er bei klarem Wetter noch über weite Teile Siziliens gesichtet werden kann. Er nimmt insgesamt eine Fläche von etwa 1200 km² ein und gilt damit als flächenmäßig größter Vulkan Europas.
Seine Entstehung verdankt er einem geologischen Hot Spot und einer Phase submariner Vulkanausbrüche am Grund des Mittelmeeres. Erst vor etwa 600.000 Jahren durchbrach der Vulkan die Wasseroberfläche und wuchs bis zu seiner heutigen Höhe stetig an. Dabei hat er bei immer wiederkehrenden Eruptionen in der Geschichte große Mengen an Fördermaterial ausgestoßen. Auch heute ist der Ätna nahezu andauernd tätig. Ausschlaggebend dafür ist seine geografische Lage direkt an einer regionalen Störungszone, an der sich die Afrikanische Platte kontinuierlich unter die Eurasische Platte schiebt. Diese Subduktion bestimmt nicht nur die Vulkanaktivität, sondern auch das Auftreten von Erdbeben in der Region des Ätna. Erdbeben sind entlang der tektonisch sehr aktiven Verwerfungszone am Ätna keine Seltenheit. Zu einem sehr schweren Beben kam es im Jahre 1693, bei dem die umliegende Stadt Catania zerstört wurde und über 60.000 Menschen den Tod fanden. Weitere Erdbebenkatastrophen wurden in den Jahren 1169 und 1669 datiert, die beide von einem Vulkanausbruch begleitet wurden. Das Resultat der Ereignisse sind jeweils totale Verwüstungen umliegender Städte mit über 15.000 Todesopfern.
Trotz den Gefahren dieser Verwerfungszone ist der Ätna beliebtes Ziel für Vulkantouristen. Er wird häufig von Schaulustigen besucht, die die faszinierende Landschaft und die häufigen Eruptionen beobachten wollen. Selbst in den Wintermonaten wird der Vulkan ständig von Touristen zum Skifahren besucht. Bis zum Jahre 2002 war der Ätna zugleich eines der größten Skigebiete Europas. Der Ätna lockt jährlich durch seine internationale Beliebtheit tausende Urlauber und Abenteurer an. Aufgrund des hohen Besucheranteils wurde eine Seilbahn errichtet, welche die Touristen bis in eine Höhe von 2600 Meter bringt. Von dort aus fahren geländetaugliche Busse die Touristen bis auf 3000 Meter Höhe. Ein Aufstieg zum Gipfel kann allerdings ohne einen erfahrenden Führer lebensgefährlich werden, weil plötzliche strombolianische Eruptionen nicht auszuschließen sind.


Der Vulkan besitzt insgesamt 5 Gipfelkrater, die alle ein unterschiedliches Alter aufweisen. Diese sind der Hauptkrater, der Bocca Nuova, der Nordostkrater, der Südostkrater und der Neue Südostkrater.
Letzterer entstand erst 2011 durch einer Phase mehrerer Vulkanausbrüche. Damit ist er der jüngste Gipfelkrater des Ätna. Unterhalb der Gipfelregion prägen zahlreiche Parasitärkrater die Flanken des Vulkans, welche alle im Laufe seiner Eruptionsgeschichte entstanden sind. Heute können bereits über 300 solcher Schlackenkegel an seinen Hängen gezählt werden. Einer davon ist der bekannte Monte Silvestri an der Südflanke, welcher im Jahre 1892 entstand. Er erhebt sich nahe dem Parkplatz der Seilbahnstation und ist daher sehr einfach zu erkunden, gilt allerdings schon als erloschen. Jedoch sind im Gegensatz zum Monte Silvestri viele Parasitärkrater am Ätna noch vulkanisch aktiv und stellen somit eine potentielle Gefahr bei Flankenausbrüchen dar. Die Bedrohung bei einem Flankenausbruch (Lateraleruption) nimmt meist eine wesentlich größere Dimension an, als bei einer Terminaleruption (Gipfeleruption), weil die Lava einen deutlich kürzeren Weg bis zu besiedelten Gebieten zurücklegen muss. Für diese berüchtigten Flankeneruptionen ist der Ätna besonders von den Bewohnern umliegender Ortschaften gefürchtet. Mitte Mai 2008 öffnete sich an der Ostflanke unterhalb der Gipfelregion eine eruptive Spalte, die bis auf einer Länge von 300 Höhenmetern aufriss. Diese war insgesamt 14 Monate aktiv, wobei heftige Phasen explosiver strombolianischer Aktivität immer wieder von Phasen ruhiger effusiver Tätigkeit abgelöst wurden. Dementsprechend wurde je nach Phase unterschiedlich viel Fördermaterial ausgestoßen. Der Vulkanismus des Ätna ist also grundsätzlich sehr vielgestaltig. Wohl auf keinem anderen Vulkan der Erde lässt sich eine solche Vielzahl an unterschiedlichen Aktivitätsformen beobachten.
Vulkanausbrüche am Ätna verlaufen jedoch überwiegend effusiv. Seine Laven weisen meist nur einen geringen Kieselsäuregehalt auf, weshalb sie eher basisch sind. Daher ist das Risiko explosiver Vulkanausbrüche mit verheerendem Ausmaß am Ätna erheblich reduziert. Trotzdem ist die Geschichte des Vulkans mit einigen großen Ausbrüchen gekennzeichnet, bei denen Vulkanasche bis in die Stratosphäre aufstieg. So fand im Jahre 122 vor Christus ein Ausbruch der Stärke 5 auf dem VEI statt. Weitere heftige Eruptionen konnten unter Anderem in den Jahren 1194, 1563, 1610, 1669, 1755 und 1928 nachgewiesen werden, bei denen Lavaströme teilweise bis ins Meer flossen. In seiner Eruptionsgeschichte wurden wiederholt Waldgebiete, Straßen, Ortschaften und somit auch zahlreiche Häuser durch Lavamassen zerstört. Um die große Menge an Zerstörungen einzugrenzen, hatten die Betroffenen bei manchen Ausbrüchen Rettungsaktionen eingeleitet, in dem sie mit Sprengungen versuchten, einen Lavastrom zu stoppen oder mit Staudämmen umzuleiten. Bei einem Ausbruch im Jahre 1983 wurde der spektakuläre Versuch erstmals am Ätna durchgeführt. Dieses Unterfangen gelang jedoch nicht immer, allerdings konnten in einer Eruptionsphase von Dezember 1991 bis März 1993 tatsächlich einige Häuser durch diese Maßnahme gerettet werden. Dies ist jedoch ein nur seltenes Beispiel für einen teils erfolgreichen Kampf gegen die Lava, denn nach wie vor richten viele Ausbrüche des Ätna große Sachschäden an. In den Jahren 1971, 2001 und 2002 ergossen sich glühende Lavaströme über die Berg- und Talstation der Seilbahn und zerstörten deren Masten. Daraufhin musste die Seilbahn komplett neu eingerichtet werden. Der Ausbruch von 2002 verlief mit beachtlicher Explosivität und förderte außer den Lavaströmen auch eine etwa 6 Kilometer hohe Eruptionswolke. Die Aschepartikel wurden vom Wind sogar noch bis zur nordafrikanischen Küste getrieben. Dieser Vulkanausbruch erreichte die Stärke 3 auf dem VEI und dauerte noch bis ins nächste Jahr. 2004, 2006 und 2008 gab es ebenfalls wieder heftige Eruptionen, welche vereinzelt sogar mit kleinen Pyroklastischen Strömen abliefen. Mehrere Flüge nach Catania mussten daraufhin umgeleitet werden oder ausfallen. 2011 begann eine neue Ausbruchsserie des Vulkans, die bis weit ins Jahr 2012 andauerte. Am 4. März 2012 kam es bei einer Ascheeruption erneut zur Bildung eines kleinen Pyroklastischen Stroms, der die Flanken des Vulkans hinunter floss. Nur wenige Wochen später brach der Vulkan ein weiteres Mal aus und spie seine Asche 7 Kilometer hoch in den Himmel. Bei dieser Ausbruchsserie entstanden auch häufig Lavaströme, welche die Ostflanke des Ätna talwärts flossen.


Die Ostflanke des Vulkans ist durch eine riesige Depression, dem Valle del Bove gekennzeichnet. Das sehr weitläufige Tal entstand vermutlich durch einen gewaltigen Hangrutsch vor etwa 8000 Jahren, wodurch ein Großteil der Vulkanflanke ins Meer absackte. Bei Vulkanausbrüchen können Lavaströme häufig ins Valle del Bove abfließen, weil das Tal vom weitaus höheren Vulkan überragt wird. Die häufig auftretenden Lavaströme haben über Jahrtausende aber auch für einen äußerst fruchtbaren Boden in der Region um den Ätna gesorgt. So ist die Vegetation aufgrund der verschiedenen Höhenlagen völlig unterschiedlich ausgeprägt. Unterhalb der 2000 Metergrenze sind verschiedene Laubbäume, sowie unter Anderem Kiefern, Orangen- und Zitronenbäume anzutreffen. Die Vielfalt der Vegetation nimmt allerdings ab einer gewissen Höhe stetig ab. Der Gipfelbereich des Ätna ist sogar die meiste Zeit des Jahres mit Schnee bedeckt und somit vegetationslos.
Die äußerst aktive und vor allem vielfältige Vulkanregion am Ätna wurde im Jahre 1987 zum Regionalpark erklärt, in dem unter Anderem Wölfe, Füchse sowie etwa 70 Vogelarten beheimatet sind. Am 21. Juni 2013 wurde der Vulkan von der UNESCO in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen. Von den Einheimischen wird der Ätna auch oft „Mongibello“ genannt, was so viel wie „schöner Berg“ bedeutet. Die Gefahr seiner Ausbrüche wird von den meisten Sizilianern dabei völlig außer Acht gelassen. Sie sind die häufigen Ausbrüche gewöhnt, haben den Respekt gegenüber dem aktiven Vulkan aber auch nicht verloren, in guten wie in schlechten Zeiten.