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Vulkan Eyjafjallajökull - Eruption am 1. Mai 2010 (Island)

 

Dank dem Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull auf Island haben wohl so manche Menschen eine Geschichte zu erzählen. Hier ist nun meine:

Als ich erfuhr, dass nach 187 Jahren Ruhe der Eyjafjallajökull wieder aktiv geworden war, war ich über die Eruption sehr fasziniert. Mit großem Interesse beobachtete ich täglich per Internet den Vulkan, bis ich letztendlich auf die Idee kam, eine Kurzreise zu der Eruption zu unternehmen. Letztendlich entschied ich mich für eine Islandtour am Maifeiertag. Doch schon in der Heimat Berlin wurde es noch aufregend. Denn 12 Tage vor meinem Abflug ereignete sich am Eyjafjallajökull eine Eruption der Stärke 4, sodass die Flughäfen gesperrt werden mussten. Nun wurde es um die Reise sehr spannend. Tag für Tag verging und ich musste mich wohl oder übel immer mehr auf einen Reiseabbruch aufgrund des Flugverbotes einstellen. Doch das Glück hielt zu mir, denn kurz vor Reisebeginn wurde das Verbot wieder aufgehoben, sodass meine Spontanreise wieder möglich war.

 

In Island angekommen, stand mir ein Bus zum Hotel zur Verfügung. Nachts fiel das Einschlafen aufgrund der Spannung einen Vulkanausbruch mitzuerleben besonders schwer. Am nächsten Morgen organisierte ich einen Führer, der mich per Superjeep so dicht wie möglich an die Eruption fahren sollte. Das Wetter war für die isländischen Verhältnisse erstaunlich gut. Glücklich wartete ich vor dem Hotel auf den Jeep. Nach einiger Zeit Verspätung traft er dann auch tatsächlich ein und wir fuhren Richtung unseres Zielvulkans. Zuerst führte der Weg durch erstarrte Lavawüsten des Vulkans Hengill im Südwesten des Landes, außerdem vorbei an schönen Kratern und Fumarolenfelder. Ich war von der isländischen Landschaft sehr begeistert (Island ist sowieso eins meiner Lieblingsländer). Der Jeep fuhr weiter die Straße hinab Richtung Südosten. In der Ferne konnte ich den Vulkan Hekla sehen und etwa 10 Minuten später war unser eigentliches Ziel, der aktive Vulkan Eyjafjallajökull, in Sicht.

 

Ich sah eine weiße Wasserdampfwolke einige 100 Meter hoch aus dem Krater aufsteigen. Es war enttäuschende Aktivität, trotzdem hielten wir für ein Foto an. Immerhin handelte es sich um meinen ersten Vulkanausbruch! Als wir nach dem kurzen Stopp weiter fuhren, verließen wir die Hauptstraße und bogen auf einen unasphaltierten Weg ein. Doch das Erlebnis hatte grade einmal begonnen. Plötzlich tauchte vor uns ein Fluss auf, den wir mit dem Jeep durchqueren mussten. Für das Fahrzeug war dies kein Problem, wir konnten also auf der anderen Seite des Flusses weiterfahren. Trotzdem begannen jetzt einige Probleme aufzutauchen. Das Wetter änderte sich deutlich und der Vulkan hüllte sich in einer dunklen Regenwolke. Auch eine halbe Stunde später schaute ich enttäuscht in die Wolken. Es hatte keinen Sinn noch weiter zu fahren, also machten wir uns auf den Rückweg, um unsere Mittagspause einige Stunden vorzuschieben. Doch die Problemreihe ging weiter: Der Motor vom Jeep bekam Aussetzer! Wir musste also mitten im isländischen Hochland stoppen. Unsere Spannung stieg dadurch deutlich an.

 

Doch glücklicherweise waren diese Aussetzer nur von kurzer Dauer, sodass wir trotz einigen ungeplanten Pausen es noch zurück zur Hauptstraße schaffen konnten. Auf der Hauptstraße sollte ein Ersatzjeep für uns zur Verfügung stehen, der dann auch 20 Minuten später aus Reykjavik eintraf. In der Zeit war der Eyjafjallajökull weiterhin in Regenwolken gehüllt und lies keinen Blick auf die Eruption zu. Das Wetter war natürlich erschreckend, andererseits war es eine gute Gelegenheit den Seljalandsfoss, einem äußerst schönem Wasserfall in der Nähe des Vulkans einen Besuch abzustatten. Selten hatte ich die Möglichkeit so dicht an einem Wasserfall ranzugehen, sodass ich mich sogar nass spritzen lassen konnte. Etwas später ging unsere (bzw. meine) Tour weiter. Ich hatte noch relativ viel Hoffnung, weil mir bewusst war, dass sich in Island sehr schnell das Wetter ändern kann und es daher doch noch eine Chance auf eine Vulkanbeobachtung gab. Doch dass diese Hoffnung ein schlechtes Endergebnis mit sich führte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

Tatsächlich begann sich das Regenwetter aufzulösen und wenig Zeit später gaben die Wolken den Blick frei auf den Vulkan, sodass ich eine erschreckende Entdeckung machen konnte. Der Vulkanausbruch war beendet! Keine Aschewolke, keine Wasserdampfwolke und keine Lava waren mehr zu sehen. Es war zwar ein trauriges Erlebnis, andererseits ein gutes Beispiel, dass bei einer Eruptionsjagt jede Stunde zählen kann.

 

Nun wurde es Zeit essen zu gehen. Dies taten wir auch, obwohl es unterdessen schon 9 Uhr abends war. Als wir 20 Minuten später das Restaurant verließen, entschloss ich mich noch einem kleinen Spaziergang auf einem schmalen und steinigen Trekkingpfad zu unternehmen. Und diese Entscheidung wurde großartig belohnt, der Tag nahm letztendlich doch noch ein sehr überraschendes Ende. Denn gegen 21:30 Uhr kam es zu einem unvergesslichen Ereignis. Der Vulkan Eyjafjallajökull brach erneut aus! Aufgeregt sprang ich über einen Fluss (von Stein zu Stein) und bestieg einen kleinen grünen Hügel, von dessen Gipfel es wundervolle Aussicht auf die Eruption gab. Die Aschewolke vom Vulkan stieg etwa 3 Kilometer hoch in den abendlichen Himmel. Die Blick war fantastisch.

 

Etwas später trafen wir uns wieder am Jeep und machten uns neugierig auf den Weg, um andere Aussichtspunke zu suchen. Wir stoppten an der Hauptstraße und schauten gespannt auf den Vulkan. Ein leises Grummeln war zu hören und die pechschwarze Aschewolke begann höher zu steigen. Mittlerweile hatte die Aschewolke eine Höhe von 5400 Metern erreicht. Plötzlich sah ich wie eine Lavafontäne aus dem Krater schoss.

So langsam wurde der Himmel dunkler, sodass ich den Vorschlag machte, zu der Stelle zurückzufahren, an der wir das Problem mit dem Motor hatten. Und dies taten wir auch so schnell wie möglich. Ich drehte mich noch einmal zum Vulkan. Die Eruption sah großartig aus. Der Fahrer fuhr mit etwa 80 km/h über die unbefestigte Straße. Im Rückspiegel sah ich die riesige Wand aus Staub, die wir beim schnellen Fahren über die Schotterpiste auslösten. Erneut mussten wir den Fluss durchqueren, um an der anderen Seite des Flusses weiter zu kommen. Nach einiger Zeit hielten wir an einem Tal an und waren noch dichter an der Eruption dran, als vorher. Die Nacht hatte uns schon völlig eingeholt, sodass ich sehr deutlich sehen konnte, wie rotglühende Lavafontänen mindestens 200 Meter hoch aus dem Krater schossen und die Nacht erhellten. Die Fontänen aus glühender Lava erschienen fast im Minutentakt.

 

Außer der etwa 6 Kilometer hohen Aschewolke war nun auch eine weiße Wasserdampfwolke zu sehen. Wir beobachteten noch weitere 20 Minuten, bis wir uns um 1:30 nachts entschlossen, den Heimweg anzutreten. Ich gönnte mir noch einen letzten Blick auf den ausbrechenden Vulkan, bis ich auf der Heimfahrt ins Hotel im Jeep einschlief und erst in Reykjavik wieder aufwachte. Der 1. Mai ist seit der Eruption des Eyjafjallajökull ein für mich besonderes Datum geworden.

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