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Vulkan Kilauea- Eruption am 17. Juli 2010 (Hawaii)

Die Fotos sind von einem anderen Tag am Kilauea aufgenommen (23. Juli 2010)

 

Der Vulkan Kilauea auf Hawaii ist der aktivste der Welt. Aus diesem Grunde zog es mich im Sommer 2010 nach Big Island. Gerade einmal 2 Monate sind seit der letzten Eruptionsjagt zum Eyjafjallajökull vergangen, ein Katzensprung nach Island im Vergleich zu einer Reise nach Hawaii. Insgesamt stand 3 mal Umsteigen auf dem Flugticket, was eine Gesamtreisezeit von 25 Stunden in Anspruch nahm.


Auf Hawaii angekommen brach die Dunkelheit auch schon heran, sodass ich eine Erkundung des Kilauea auf den nächsten Tag verschieben musste. Am nächsten Morgen bereitete ich mich auf meine Tour zum Vulkan vor, in der Hoffnung einen Vulkanausbruch mit zu erleben. Schnell packte ich meinen Rucksack: Stativ, Fotokamera, Versorgung, Geld und alles was man so an einem hawaiianischen Inselvulkan gebrauchen könnte.  Ich hatte mir für diesen Tag einen Führer organisiert, der im Besucherzentrum am Queen Kahumahu Highway auf mich warten sollte. Eine halbe Stunde später traf ich am Besucherzentrum ein, an dem ich vom Führer gleich empfangen wurde. Bisher verlief alles problemlos, und zufrieden machten wir uns mit einem Jeep des Führers auf zum Kilauea. Ich schaute glücklich aus dem Fenster. Das Wetter war größtenteils sonnig, nur ein paar Federwölkchen waren am Himmel. 

 

Nach ein paar Minuten veränderte sich die Landschaft: Die Straße führte an einem erkalteten Lavastrom des Hualalai Vulkans vorbei. Der Fahrer bog ab auf die Saddle Road, die zwischen dem Mauna Loa und Mauna Kea entlang führt. Mir machte das Fahren mit dem bergauf- und ab richtig viel Spaß. Es war wie in einer Achterbahn. Jedoch oben am Sattel änderte sich das Wetter. Mittlerweile war es neblig geworden und es fing zu regnen an.  Doch so leicht ließ ich mich nicht enttäuschen. Mir war bewusst, dass sich in solchen Gebieten sehr häufig und schnell das Wetter ändern kann. Wir fuhren nun die andere Seite des Sattels wieder hinunter und  in der Ferne tauchte die Stadt Hilo auf. Als wir uns allmählich  Hilo näherten, war das Wetter immer noch miserabel.


Plötzlich kamen wir auf die Idee uns die Kaumana Caves ein bisschen genauer anzusehen, eine sehr interessante und direkt an der Straße gelegene Lavahöhle. Wir stiegen aus dem Jeep und gingen in die Höhle hinein. Gespenstische Dunkelheit herrschte in ihr. Nur das Licht unserer Taschenlampen erhellte die Wände. Nach dieser Erkundung machten wir uns wieder auf den Weg ans Tageslicht. Zu unserem Erstaunen hat sich das Wetter in dieser kurzen Zeit deutlich geändert. Diesmal positiv: Völliger Sonnenschein war über uns, sodass die Reise Richtung Kilauea weiter gehen konnte.

 

Nach etwa 2 Meilen bogen wir auf einen Sandweg ab, der zu einem Aussichtspunkt führte. In der Ferne war der aktive PuuOo Krater des Kilauea zu sehen. Eine weiße Rauchwolke stieg aus dem Vulkan und weiter hinten sah ich, wie sich die glühende Lava in den Ozean stürzte. Ich genoss den wundervollen ersten Blick auf den aktivsten Vulkan der Welt. Begeistert fuhren wir noch etwa 10 Meilen weiter bis der Führer mit mir nach links zum Parkeingang des Hawaii Volcanoes Nationalpark einbog. So langsam näherten wir uns dem Hauptkrater des Kilauea, dem Halemaumau. Neugierig hielten wir am Jaggemuseum an und mit viel Interesse lief ich zu einem schönen Aussichtspunkt in der Nähe des Museums. Zwischen ein paar Sträuchern war der aktive Vulkankrater des Vulkans zu sehen. Nach einigen Erinnerungsfotos ging es zurück zum Jeep. Die Fahrt ging weiter zu den Sulphur Banks und nach nur kurzer Fahrt hielten wir auch schon auf einem großem Parkplatz an. Es roch stark nach Schwefel. Ich ging relativ dicht an die Fumarolen der Sulphur Banks heran, sodass ich die Hitze des Vulkans deutlich spüren konnte. Ich entdeckte eine sehr schöne Fumarole am Hang des Vulkans und es gelangen mir auch tatsächlich ein paar Nahaufnahmen.

Wieder zurück am Jeep: Wir nahmen wieder Kurs auf den Parkausgang. Ich erinnerte mich zurück an die ersten schönen Momente am aktivsten Vulkan weltweit. Ich hoffte immer noch so sehr auf einen Ausbruch, und die Wahrscheinlichkeit dafür war ja auch nicht allzu gering am aktivsten Vulkan unseres Planeten.  


Ich war gespannt welche Ereignisse noch auf uns warten. Doch es wurde allmählich Zeit für eine Mittagspause. Unsere Mittagspause hatten wir sowieso schon um einige Stunden verschoben. Es war schon fast 7 Uhr abends. Es tat ja auch mal gut, sich einfach entspannt zurück zu lehnen und zu relaxen. Ich packte meinen Laptop hinaus und schaute gespannt auf die Kilauea Livecam. So konnte ich entspannen und beobachten gleichzeitig. Doch der Zufall hatte andere Pläne. Auf der Livecam war südlich des PuuOo ein rötliches Glühen zu sehen. Sofort war mir klar, dass der Vulkan ausgebrochen war. Das mit dem Mittagessen war damit selbstverständlich erst einmal übern Haufen geschmissen und sofort sprangen wir wieder in den Jeep. Oben am Krater hatte sich ein Riss gebildet, aus dem Lava austrat und Richtung Ozean floss.  


So langsam näherte sich die Nacht. Dunkelheit brach heran, sodass der Fahrer die Scheinwerfer des Jeeps anschalten musste. Damit wurde das Ganze noch spannender, fand ich. Meine Hoffnung, Rotglut zu beobachten, war riesig und wir waren ja auch schließlich dabei uns der Stelle so schnell wie möglich zu nähern. Erst fuhren wir die Hawaii Belt Road entlang, um dann auf eine Straße Richtung Kalapana rechts abzubiegen. Die Straße nach Kalapana sollte relativ dicht an den Ozean heranführen und dann dort enden. Tatsächlich hielten wir nahe der Küste auf einem Parkplatz an. In der Ferne war rotes Glühen zu sehen. Damit ich die Lava hautnah beobachten kann, hatte mir der Führer ein Fernglas aus dem Jeep geliehen. Erwartungsvoll machte ich mich auf den Weg an die Eruption. Schon von weitem war die glühende Lava und eine dunkle Rauchwolke zu erkennen, die von der Eruption entstanden sein musste. Mit fast doppelten Schritttempo lief ich den asphaltierten Weg hinunter. Auf einmal schoss etwas entfernt von mir eine Funkenfontäne mehrere Meter in die Höhe. Fasziniert ging ich näher an die Eruptionsstelle heran. Vom Weg aus, sah ich einen kleinen erkalteten Lavahügel. Ich konnte mir gut vorstellen, dass die Aussicht von diesem Hügel auf die aktive Lava grandios sein musste. Der Aufstieg war gefährlich, der Boden unter meinen Füßen hätte jederzeit einbrechen können. Die Lavakruste am Kilauea ist nämlich nicht allzu dick. Schritt für Schritt tastete ich mich weiter. Vorsichtig suchte ich mir eine feste Stelle am Gipfel des Hügels. Überwältigt schaute ich hinunter zum aktiven Lavastrom. Ich konnte genau zusehen, wie die heiße Lava die Straße überquerte und den Asphalt entzündete. Die Straße begann Feuer zu fangen und zu brennen! Aufgeregt legte ich das Fernglas auf die Lavadecke, griff nach der Kamera, um die Vulkaneruption zu dokumentieren. Es war schon stockfinster geworden, nur die glühende Lava und die Funkenfontänen erhellten die Nacht. Der aktive Lavastrom wälzte sich im langsamen Tempo immer weiter vorwärts. Nach dem die Straße und einige Verkehrsschilder verkokelt waren, begann die Lava Bäume zu entzünden. Die Bäume in der Nähe der Straße gingen natürlich ebenfalls in Flammen auf und es entstanden mindestens 20 Meter hohe Feuerfontänen. Und zum Schluss musste sogar noch ein Einfamilienhaus im Inferno der Lava untergehen. Die Hitze des Vulkans war bis zu mir zu spüren.

Um ein wenig Abwechslung in das Ereignis zu bringen, stieg ich wieder vom erkalteten Lavahügel hinab, um mir einen anderen Beobachtungspunkt zu suchen. Vorsichtig lief ich ein kleines Stück neben dem Lavafeld entlang, bis vor mir plötzlich eine Absperrung auftauchte. Doch im Gegensatz zu anderen Vulkanausbrüchen, musste ich hier die Sperrung nicht einmal übertreten. Die Aussicht auf die Eruption war auch vor der Sperre großartig.


Der Führer wartete die ganze Zeit lang am Jeep. Wir hatten uns auf 1 Stunde Beobachtungszeit geeinigt. Aber diese 1 Stunde war mittlerweile schon fast um. Also genoss ich noch einen guten letzten Blick auf die glühende Lava und ließ die Eruption auf mich wirken. Dann kehrte ich um und ging allmählich wieder Richtung Jeep, ich wollte den Führer ja schließlich nicht verärgern.


Doch wieder einmal hatte ich nicht an das Schicksal gedacht. Als ich die Hälfte des Weges geschafft hatte, wurde es nämlich doch noch einmal äußerst aufregend. Ich musste entsetzt feststellen, dass das ausgeliehene Fernglas fehlte! Ich musste es vergessen haben wieder aufzuheben, als ich es vorhin auf dem Hügel auf die Lavadecke legte, um die Kamera zu greifen. Sofort rannte ich im Höchsttempo zurück zu dem Hügel. Wieder musste ich den gefährlichen Aufstieg über die dünne Lavaskruste wagen. Doch zum Glück hielt die Kruste mein Gewicht aus. Allerdings fehlte selbst am Gipfel des Hügels jede Spur vom Fernglas. Es muss also schon irgendjemand gefunden und mitgenommen haben.  


Trotzdem zufrieden ging ich nun endgültig zurück zum Jeep, wo der Fahrer schon auf mich ungeduldig wartete. Es folgte ein letzter Blick auf das Glühen der Lava, das selbst die dunklen Rauchwolken rötlich anstrahlte. Müde setzte ich mich in den Jeep und rechnete schon stark damit, das verlorene Fernglas bezahlen zu müssen. Zu meinem Erstaunen fiel dem Führer jedoch gar nicht auf, dass das Fernglas nicht mehr vorhanden war. Er machte nur den Motor an und fuhr mit mir los. Und ich war auch schon so müde, dass ich fast die gesamte Rückfahrt im Tiefschlaf verbrachte. Das abenteuerliche Erlebnis am hawaiianischen Vulkan wird mir wohl sicherlich noch sehr lange in Erinnerung bleiben.

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