
Vulkan Kirishima - Eruption am 4. Februar 2011 (Japan)
Beim Kirishima handelt es sich um ein Vulkanfeld mit ca. 20 Vulkanen. Dies sind also Nebenvulkane, welche das Kirishima-Vulkanfeld bilden. Eruptiert ist der Nebenvulkan Shinmoe-Dake.
Es war der Beginn der Winterferien in Berlin, als ich erfuhr, dass in Japan der Vulkan Kirishima explosiv ausgebrochen war. Daraus folgte die bisher spontanste und spannenste Reise meines Lebens. Schon 3 Tage später stieg ich ins Flugzeug. Die Planung war aufgrund der sehr kurzen Zeit äußerst stressig. Dazu kam die Angst vor einer Sperrung des Zielflughafens. Doch der Zufall sollte mich zum Glück nicht aufhalten. Mein Flugzeug landete sicher in Kagoshima, eine Stadt mit 600.000 Einwohnern auf der südwestlichen Insel Kyushu. Vom Hotelzimmer konnte ich den aktiven Vulkan Sakurajima sehen. Dieser Vulkan liegt ebenfalls ziemlich dicht am eruptierten Kirishima.
Am nächsten Morgen stand die Beobachtung eines Ausbruchs auf dem Programm. Doch bedauerlicherweise machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Der Himmel war vollständig mit Wolken bedeckt. Mit Hoffnung machte ich mich trotzdem auf den Weg und fuhr mit einem Taxi auf den Onami-Dake, der nur wenige Kilometer vom Shinmoe-Dake entfernt liegt. Doch auch der Gedanke, vom Gipfel des Onami-Dake über den Wolken zu sein, war vergebens. Die Taxifahrt ging also wieder bergab. Dann fuhr ich an einer Stelle mit postvulkanischen Erscheinungen vorbei. Den Geruch nach Schwefel konnte ich sogar bis ins Taxi wahrnehmen. Etwas später führte mich die Straße an den Marou Falls vorbei, einem sehr schönen, direkt an der Straße gelegenem Wasserfall. Ein großer Parkplatz mit einem Schild "Takachio Farm" war das Ende der Fahrt. Die Vermutung, dass es sich um einen Bauernhof handelte, lag nahe. (Das Taxi kostete übrigens 100 Euro, Japan ist eben teuer)
Doch es war schon etwas unheimlich: Weit und breit war kein Mensch zu sehen, alles wie ausgestorben. Als mir ein "Durchgang verboten" Schild den Weg versperrte, wurde mir sofort klar, das diese Gegend evakuiert sein musste. Doch ich stieg über die Sperre (so kommt die Tat ans Tageslicht) und machte mich auf einer kleinen Erhöhung breit. Und plötzlich begann sich die Wolkendecke wie durch ein Wunder langsam aufzulösen, sodass ich bereits etwas vom blauen Himmel sehen konnte. Der Vulkan stieß eine große, weiße Wasserdampfwolke aus und das Gras war mir grauer Vulkanasche überzogen. Ich war sehr gespannt, wann sich die nächste Eruption ereignen wird.
2 Stunden später: Die Wolken hatten sich noch weiter aufgelöst, doch außer der weißen Wasserdampfwolke war am Shinmoe-Dake nichts besonderes zu sehen. Eine Eruption wollte sich einfach nicht ereignen. Ich schaute mich etwas um, musste jedoch schon bald feststellen, dass hier an der Takachio Farm alles abgeschlossen war. (ist ja auch kein Wunder bei einer Evakuierung).
Plötzlich gab es einen lauten Knall, was sich wie ein Explosionsgeräusch anhörte. Gespannt drehte ich mich zum Vulkan. Nichts passiert. Wieder nur stieg eine Wasserdampfwolke aus dem Krater. Doch etwas später fiel mir der Vulkan Sakurajima ein, vom dem das laute Geräusch kommen könnte. Etwa 100 Meter weiter sah ich einen kleinen Ziegenhügel. Weil der Sakurajima in der entgegengesetzten Richtung lag, musste ich diesem Hügel besteigen. Dies tat ich auch, bis ich auf einmal ein donnerndes, grollenden Geräusch hörte. Erneut drehte ich mich zum Vulkan Shinmoe-Dake und sah, wie er eine riesige Aschewolke in den Himmel schleuderte. Das Donnern kam also vom Vulkan!


Die Aschewolke des Vulkans wurde von Sekunde zu Sekunde größer. Riesige Lavabomben von mehreren Metern Durchmesser flogen durch die Luft und prasselten auf den Vulkan ab. Große Mengen von Asche wurden durch die Einschläge der Bomben aufgewirbelt. Plötzlich durchzog total ruckartig ein vulkanischer Blitz durch die gigantische Aschewolke und an einer Flanke bildete sich ein kleiner Pyroklastischer Strom. 15 Minuten dauerte der Vulkanausbruch, dann war der Spuk vorbei.
Doch plötzlich gab es eine weitere Überraschung: Wenige Minuten später wurde die Ruhephase durch einen weiteren heftigen Ausbruch unterbrochen. Gerade jetzt zeigt sich, wie unberechenbar dieser Vulkan ist. Die pechgraue Aschewolke stieg mehrere Kilometer hoch auf. Lautes Grollen begleitete die Eruption. Ich war mit nur 6 Kilometern Entfernung zum Krater gefährlich dicht dran. Von einem Moment auf den anderen ertönte eine laute, lang anhaltende Sirene.



Es handelte sich erneut um eine Evakuierung. Alarmstufe Rot wurde ausgerufen. Alle Menschen, die sich noch in der Nähe der Takacio Farm befanden, mussten ihre Häuser verlassen. Nur ich kam natürlich mal wieder auf die Idee zu bleiben!
Der Vulkan stieß immer noch heiße Asche und Gestein aus. In den darauf folgenden Stunden explodierte er noch 3 weitere male. Allerdings schwächer, als die ersten beiden Ausbrüche. Später rechnete ich mir die ungefähre Höhe der Aschewolke aus: 8 Kilometer!
Da sich die Sonne langsam dem Untergang näherte, beschloss ich den Rückzug anzutreten. Doch problemlos sollte der Abend trotzdem nicht verlaufen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nämlich nicht, dass aufgrund der Evakuierung alles menschenleer und abgeschlossen war. Etwas weiter entdeckte ich eine Telefonzelle, welche zum Erstaunen sogar Tag der offnen Tür hatte. Aber bedauerlicherweise, fehlte das Telefon! Ich begann die Straße entlang zu laufen und konnte zufällig beobachten, wie eine Frau in ihr Haus ging, welches direkt am Straßenrand stand. Das Haus war eigentlich auch evakuiert. Aber Glück für mich, dass sich nicht alle an eine Evakuierung halten. Dank ihrer Hilfe war schnell ein Taxi bestellt, und mit wundervollen Erinnerungen und tollen Bildern können wir uns heute bei vulkanwelten.com an der gelungenen Eruptionsjagt erfreuen. Manchmal muss man eben etwas riskieren, um etwas schönes zu erleben.