
Papua Neuguinea
Fernab von europäischen Landmassen befindet sich in der Südsee noch ein kleines Stück von früherer deutscher Heimat. Es handelt sich um einen großen Teil des weiträumigen Inselstaat Papua Neuguinea, der für seine tropischen Regenwälder, aktiven Vulkane und bunten Korallenriffen ein faszinierendes Reiseziel ist. Paradiesvögel und andere, sogar noch unentdeckte Tierarten bevölkern die größtenteils unberührte Natur des Landes. Kaum wo sonst auf der Erde lässt sich die Natur derart intensiv in ihrem Ursprung bestaunen, wie in Papua Neuguinea.
Neuguinea ist nach Grönland die flächenmäßig zweitgrößte Insel der Welt. Bemerkenswert an ihr ist, dass sie in zwei verschiedenen Ländern unterteil wird, welche jeweils zu einem anderen Kontinent gehören. Der Westteil zählt seit 1963 zu indonesischem Staatsgebiet und somit zu Asien, während der Ostteil seit 1975 als unabhängiger Staat Papua Neuguinea zu Australien gehört. Eher untypisch für Australien ist der große und extrem dichte Dschungel, der Papua Neuguinea nahezu vollständig besetzt. Der Grund dafür findet sich in der geografischen Lage, denn die Insel befindet sich nördlich des australischen Festlandes nur knapp unterhalb des Äquators. Durch die ganzjährig warmen Temperaturen und der daraus resultierenden hohen Luftfeuchtigkeit kann der Regenwald gut gedeihen. Dies hat aber auch zur Folge, dass die Bevölkerungsdichte Papua Neuguineas nur relativ gering ist. Im gesamten Inselstaat leben nur ein paar Millionen Menschen, wovon nicht viel mehr als 300.000 in der Hauptstadt Port Moresby heimisch sind.
Die Stadt liegt im Südwesten der Insel am Fuße der bis zu 4000 Meter hohen Owen-Stanley-Gebirgskette, welche im Jahre 1849 entdeckt wurde. Durch das nahegelegene Gebirge ist die Stadt relativ windgeschützt und für die Region Papua Neuguinea vergleichsweise niederschlagsarm. Im Süden grenzt Port Moresby an eine Bucht, welche die Stadt vor größeren Wellengang schützt und ihr somit eine sichere Lage beschert. Die Bucht hat freien Zugang zum Pazifischen Ozean, weshalb sie auch ein beliebter Ankerplatz für den Schiffsverkehr ist. Direkt hinter der Bucht beginnt ein Nebenmeer des Pazifischen Ozeans, welches als Korallensee bekannt ist. Das Meer hat seinen Namen durch seine zahlreich vorkommenden Korallenriffe, die sich bis zum weltberühmten Great Barrier Reef erstrecken. Auf einer Fläche von fast 4,8 Millionen km² befinden sich unzählige Inseln, Atolle und eine äußerst vielfältige Unterwasserwelt, die sich bei Tauchern große Beliebtheit erfreut.
Neuguinea besitzt mit den angrenzenden Gewässern die reichste Biodiversität der Welt außerhalb der tropischen Gebiete am Amazonas. Insgesamt leben auf der Insel über 4000 bekannte Tierarten, von denen Insekten und Spinnen am häufigsten vertreten sind. Dazu existieren aber auch viele noch unentdeckte Tierarten auf Neuguinea, die teilweise nirgendwo sonst auf der Welt heimisch sind. Ihre Existenz ist also nur an einem einzigen bekannten Gebiet der Erde vorhanden. Solche Arten von Lebewesen werden in der Biologie auch als Endemiten bezeichnet. Ein Großteil der Fauna verbirgt sich tief im dichten Dschungel Neuguineas, in dem schätzungsweise 25.000 Vegetationsarten gedeihen. Mit dieser ökologischen Vielfalt gehört er zweifelslos zu den eindrucksvollsten Tropenwäldern der Erde.


Die reiche Biodiversität der Fauna und Flora besteht sowohl auf der Hauptinsel Neuguinea, als auch auf den vorgelagerten kleineren Inseln. Die Inseln Papua Neuguineas sind teil einer langgestreckten Kette, die sich quer durch Indonesien bis zur Küste des südwestlichen Pazifiks erstreckt. Von dieser Kette gehören mehr als 600 verschiedene Inseln unterschiedlicher Größe zum Staatsgebiet von Papua Neuguinea. Eine von Menschen noch weitestgehend unberührte Insel ist Pidgen Island im nordöstlichen Teil des Archipels. Sie bietet mit ihren von Pflanzen gesäumten, weißen Sandstränden und den angrenzenden Korallenriffen einen natürlichen Lebensraum mit paradiesischen Kulissen.
In Sichtweite von Pidgen Island erhebt sich im Nordosten der Insel Neubritannien der aktive, nur 223 Meter hohe Vulkan Tavurvur. Dieser Vulkanname stammt aus der einheimischen Tolai-Sprache und bezieht sich auf das Brodeln heißer Quellen am Fuße des Tavurvur. Dort erhebt sich der Vulkan mit seinen aschebedeckten Flanken unweit der kleinen Naturhafenstadt Rabaul mit rund 70000 Einwohnern. Sie war bis zu einem verhängnisvollen Vulkanausbruch am Tavurvur die Hauptstadt der Provinz East New Britain, sowie politisches und wirtschaftliches Zentrum im Osten Neubritanniens. Sowohl die Stadt als auch der Vulkan sind Teil der über 100 km² großen Rabaul-Caldera, in der sich auch noch weitere potenziell gefährliche Vulkane befinden. Davon sind der Tavurvur und jüngere Vulcan die einzigen Vulkane der Rabaul-Caldera, die als geologisch aktiv gelten. Die Caldera entstand bei einer massiven Eruption der Stärke 6 im Jahre um etwa 550 nach Christus, bei welcher der alte Vulkankomplex vollständig kollabierte. Die Explosivität der Ausbrüche ist auf äußerst viskoses Magma mit einem hohen Kieselsäuregehalt zurück zu führen. Gelegentlich fördert der Tavurvur auch Dazit, Rhyolith und basaltreiche Laven, welche aufgrund dieser Zusammensetzung meist explosionsartig austreten. Die Geschichte des Vulkans ist also von mehreren heftigen Eruptionen gekennzeichnet, die teils auch die nahegelegene Stadt Rabaul bedrohten. Besonders gefährdet war die Stadt bei einem Ausbruch mit Pyroklastischen Strömen im Jahre 1937, wobei 507 Menschen starben. Doch für die Bewohner der Stadt Rabaul sind die Lawinen aus heißer feinkörniger Vulkanasche am Tavurvur nicht die einzigen Gefahren. Am 18. September 1994 kam es am Tavurvur und am Vulcan gleichzeitig zu einer Eruption, bei der sich ein Pyroklastischer Strom ins Meer ergoss. Dies löste einen Tsunami aus, der 300 Meter weit ins Land eindrang und alles auf seinem Weg zerstörte. Die Aschewolke wurde bei der Initialphase des Ausbruchs teilweise bis zu 18 Kilometer hoch geschleudert. Anschließende Regenfälle verwandelten das auf den Flanken des Vulkans liegende Lockermaterial in reißende Schlammströme. Doch die Katastrophe ging noch glimpflich aus, weil viele Menschenleben dank einer gelungenen Evakuierung der Stadt gerettet werden konnten. Der Sachschaden fiel hingegen deutlich höher aus, denn fast ein dreiviertel der Stadt Rabaul wurde von den Schlammmassen und dem Ascheregen der beiden Vulkane verschüttet. Während der Ausbruch am Vulcan Anfang Oktober 1994 endete, war der Tavurvur nach der Initialphase der plinianischen Eruption noch 7 Monate lang tätig. Durch die anhaltende Aktivität am Tavurvur wurde ein Wiederaufbau der Stadt unrealisierbar, sodass sie verlegt werden musste. Die meisten Menschen flohen und siedelten zur etwa 30 Kilometer entfernten Stadt Kokopo, zu der auch sämtliche Verwaltungszentren verlegt wurden. Seitdem ist Kokopo die neue Provinzhauptstadt von East New Britain und zugleich auch die siebtgrößte Stadt Papua Neuguineas. Sie liegt in ausreichender Entfernung zum Vulkan Tavurvur, sodass selbst bei einer größeren Eruption das Risiko für die Bevölkerung geringstmöglich ist. Dennoch verblieben in der größtenteils zerstörten Stadt Rabaul etwa 4000 Menschen in unmittelbarer Nähe zum Vulkan. In den folgenden Jahren blieb der Tavurvur jedoch vergleichsweise ruhig, bis die Idylle am 7. Oktober 2006 von einer weiteren großen Eruption unterbrochen wurde. Der Vulkan spie eine Aschewolke bis in die Stratosphäre und ließ Fensterscheiben noch in 12 Kilometern Entfernung erschüttern. Die zurückgebliebenen Bewohner der Stadt Rabaul blieben jedoch verschont, aber nur weil die feine Asche dank der Windrichtung von den Menschen weggeweht wurde. Die eruptiven Ereignisse in der Geschichte des Vulkans sind der Grund, weshalb der Tavurvur als hochexplosiv und als extrem gefährlich einzustufen ist. Der Vulkan ist auch weiterhin tätig, jedoch können zwischen seinen Eruptionen längere Ruhephasen liegen. Je nach der Länge der Aktivitätspause variiert die Stärke der darauffolgenden Eruption.


Die Vulkanaktivitäten in der Region von Papua Neuguinea sind auf die geologischen Vorgänge in der ozeanischen Kruste zurückzuführen. Direkt bei Papua Neuguinea wird die Pazifische Platte unter die Indo-Australische Platte subduziert, woraus die ozeanische Kruste zu flüssigem Magma verschmilzt. Anschließend bahnt sich die Gesteinsschmelze allmählich ihren Aufstieg zur Erdoberfläche, bis sie eruptiert und somit die Vulkane von Papua Neuguinea entstehen ließ.
So entstand auch der Vulkan Ulawun, dessen symmetrischer Kegel mit einer Höhe von 2334 Metern zu den höchsten Erhebungen Neubritanniens gehört. Er ist teil einer langgestreckten Vulkankette und zugleich auch einer der aktivsten Vulkane Papua Neuguineas. Der Ulawun war seit seiner Entdeckung von William Dampier im Jahre 1700 bereits Schauplatz dutzender Eruptionen. Darunter verliefen einige so explosiv, dass tausende Menschen am Fuße des Vulkans evakuiert werden mussten. Aufgrund des hohen Gefahrenpotentials für die Bevölkerung umliegender Dörfer, wird er auch zur Liste der 16 Decade-Vulkane gezählt. Explosive Eruptionen in historischer Zeit fanden unter Anderem in den Jahren 1915, 1970 und 1980 statt. Sie förderten kilometerhohe Aschewolken, sowie Pyroklastische Ströme, die weite Flächen am Fuße des Vulkans begruben. Ein weiteres Beispiel für seine potenzielle Explosivität ist der Vulkanausbruch vom 29. September 2000, der starken Ascheregen zur Folge hatte. Daraufhin mussten 4000 Menschen aus den gefährdeten Zonen evakuiert und in Notunterkünften untergebracht werden. Seitdem ist der Ulawun immer wieder sporadisch mit kleineren Ruhephasen eruptiv gewesen. Während dieser Ruhephasen stößt der Vulkan pro Sekunde circa 7 Kilogramm Schwefeldioxid aus, was etwa 2% der weltweiten Emissionen entspricht.
Nur knapp südwestlich vom Ulawun entfernt, ragt der ebenfalls symmetrische Stratovulkan Bamus 2248 Meter hoch in den Himmel. Seine Hänge sind mit dichter Vegetation bewachsen, wodurch vulkanische Aktivität in jüngster Vergangenheit auszuschließen ist. Schätzungen zufolge hat sich die letzte Eruption des Bamus wahrscheinlich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ereignet. Solange der Vulkan auch weiterhin inaktiv bleibt, besteht für die Einheimischen der dicht im Dschungel liegenden Dörfer keine Gefahr.
Die Einheimischen kleinerer Dörfer sind im Regenwald Papua Neuguineas auch meist die einzige Bevölkerungsgruppe, denn Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern gibt es im ganzen Inselstaat nur wenige. Davon befinden sich 7 der 10 bevölkerungsreichsten Städte auf der Hauptinsel Neuguinea. Die nach Port Moresby zweitgrößte Stadt ist Lae mit mehr als 100.000 Einwohnern an der Nordostküste des Landes. Sie ist die Hauptstadt der Provinz Morobe und liegt ebenfalls wie Port Moresby an einem korallenreichen Golf, dem die Stadt eine schützende Lage verdankt.
Westlich der Stadt befindet sich ein Gebiet namens Cold Mountain mit eindrucksvoller Vegetation des tropischen Regenwaldes und kleineren Wasserfällen. Das Gebiet ist äußert abgelegen und nur mit Geländefahrzeugen über sehr abenteuerliche Dschungelpisten zu erreichen. Doch tief im Urwald von Cold Mountain leben auch noch einheimische Naturvölker in kleinen Dörfern streng nach ihren alten Sitten und Gebräuchen. Die davon wohl erstaunlichste Tradition sind die Mumien des Volkes der Anga, welche die Lebenden des Dorfes Koke bewachen sollen. Die Verstorbenen wurden erst geräuchert und gedörrt und die daraus entstandenen Mumien in nahegelegenen Felsvorsprüngen aufbewahrt. Nach einer alten Tradition des Naturvolkes sollen die Mumien böse Geister vom Dorf fernhalten und vertreiben.


Mit den verschiedenen und zahlreichen Völkern und Stämmen hat der Inselstaat Papua Neuguinea eine sehr umfangreiche Vergangenheit. Zu ihr zählen unter Anderem auch historische Ereignisse, die zu einem wichtigen Abschnitt in der deutschen Geschichte beitrugen. Während der Kolonialzeit wurde der nördliche Teil Neuguineas von den Deutschen in Besitz genommen und Kaiser-Wilhelms-Land getauft. Es bildete mit dem gesamten Bismarck-Archipel und weiteren Inselgruppen Ozeaniens das kaiserliche Gouvernement, sowie den deutschen Kolonialbesitz. Dieses Gebiet in Ozeanien war also teil aller deutschen Kolonien im südwestlichen Pazifik, weshalb es auch unter dem Begriff „Deutsche Südsee“ bekannt wurde. Im Jahre 1882 wurde das Kaiser-Wilhelms-Land zur sogenannten Neuguinea-Kompagnie, welche eine große deutsche Kolonialgesellschaft war. Im Oktober 1898 drohte der Kompagnie jedoch die Insolvenz, sodass sie ein Jahr später als reguläre Kolonie übernommen wurde. Das damals kaiserliche Schutzgebiet blieb jahrelang in Besitz der Deutschen Kolonialmacht, bis es im Jahre 1914 von australischen Truppen besetzt wurde. Somit verloren die Deutschen das Territorium von Neuguinea, welches nach dem Ersten Weltkrieg an Australien übergeben wurde. Seitdem wurde auch die deutsche Sprache von Englisch und vor allem von einheimischen Sprachen nahezu völlig verdrängt. Umso populärer wurden die traditionellen Volkstänze und Festivals, die noch in heutiger Zeit von den Einheimischen in regelmäßigen Abständen aufgeführt werden.