
Plattentektonik
Die Plattentektonik ist ein geologischer Vorgang der Erde und mitverantwortlich für die Entstehung und Aktivität von Erdbeben- und Vulkanregionen. Der Vorgang bezieht sich auf das Driften der Kontinentalplatten und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Alfred Wegener entdeckt. Aufgrund dieses Kontinentaldrifts befinden sich an den Plattengrenzen zugleich Störungszonen, weshalb dort das Vorkommen von Erdbeben und aktiven Vulkanen besonders stark ausgeprägt ist. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Pazifische Feuerring, der sich in Form einer 40.000 Kilometer langen Vulkankette rings um den Pazifik erstreckt. Er zählt zu den tektonisch aktivsten Zonen der Welt. Mehr als 80% aller aktiven Vulkane unseres Planeten sind am Pazifischen Feuerring zu finden. Die meisten Plattengrenzen verlaufen jedoch auf dem Meeresgrund, was dazu führt, dass sich der größte Anteil aktiver Vulkane in unseren Ozeanen befindet. Eine genaue Anzahl ist jedoch nicht bekannt.
Vor etwa 300 Millionen Jahren existierten die 7 Kontinente, so wie wir sie heute kennen, noch nicht. Sie waren vollständig miteinander verbunden und bildeten einen Superkontinent namens Pangäa. Er entstand durch die Kollision der beiden Urkontinente Laurussia und Gondwana. Pangäa erstreckte sich vom Nordpol bis zum Südpol und blieb etwa 150 Millionen Jahre bestehen, bis er von tektonischen und geologischen Prozessen auseinander brach. Mit diesem Auseinanderbrechen entstanden Ozeane und die einzelnen Kontinente, die auch heute noch vom Kontinentaldrift beeinflusst werden. Derzeit unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten von Plattengrenzen: Diese werden hier aufgelistet und anhand von bekannten Beispielen genauer definiert:


Konvergierende Plattengrenzen sind eine Bezeichnung für das Aneinanderstoßen zweier Platten. Dabei kann es zu einer Auffaltung der Kruste oder zu einer Subduktion kommen. Letzteres ist ein Prozess, bei dem eine Platte unter eine andere geschoben wird. Weil ozeanische Platten eine größere Dichte besitzen als kontinentale Kruste, werden sie immer unter kontinentale Platten subduziert. Die ozeanische Kruste erhitzt sich beim Subduzieren und wird zu flüssigem Gestein, also Magma. Dies steigt wieder in Richtung Erdoberfläche auf bis es eruptiert. Das Magma von Subduktionsvulkanen ist in der Regel äußerst viskos, sodass explosive Vulkanausbrüche möglich sind. (z.B. die Vulkane am Pazifischen Feuerring)
Treffen jedoch zwei kontinentale Platten aufeinander, kommt es nicht zu einer Subduktion, sondern zu einer Auffaltung kontinentaler Kruste. Dies ist ausschlaggebend für die Entstehung von Gebirgen. Deshalb werden diese Gebirge auch Faltengebirge genannt. Auf diese Weise entstanden unter anderem die Alpen oder das über 8000 Meter hohe Himalaya Gebirge. Noch heute wächst das Himalaya Gebirge, weil die Indische Platte gegen die Eurasische Platte drückt.
Divergierende Plattengrenzen sind eine Bezeichnung für das Auseinanderdriften zweier Platten. Dies hat das Entstehen von Grabenbrüchen oder Tiefseerinnen zur Folge. Ein sehr bekanntes Beispiel für eine Plattengrenze dieser Art ist der Mittelatlantische Rücken, der sich auf über 20.000 Kilometern vom Nordpolarmeer bis zur Antarktis erstreckt. Durch das Auseinanderdriften der Eurasischen Platte und der Nordamerikanischen Platte entstand am Meeresgrund des Atlantiks ein Riss, der immer breiter wird, weil sich die beiden Platten bis heute jährlich um etwa 4 cm voneinander entfernen. Dasselbe gilt auch für die Afrikanische- und Südamerikanische Platte. Aus dem so entstandenem Riss tritt Magma aus und lässt neue Kruste entstehen. Durch diesen Prozess, der auch als Sea-Floor-Spreading bezeichnet wird, entstehen am Meeresgrund oft Tiefsee- und Spaltenvulkane. An mittelozeanischen Rücken sind daher häufig hydrothermale, heiße Quellen zu finden, die von Fachleuten Schwarze Raucher“ genannt werden.
An einer Stelle tritt der Mittelatlantische Rücken an die Wasseroberfläche: Es ist die Insel Island, die vor etwa 20 Millionen Jahren entstand und heute als größte Vulkaninsel der Welt gilt. Sie ist sozusagen in einem europäischen Teil und einem amerikanischen Teil gespalten. Im Thingvellir-Nationalpark im Südwesten Islands wird dies sichtbar. Besucher können dort im Graben wandern und unternehmen somit eine Wanderung zwischen zwei Kontinenten!
Ein weiteres nennenswerte Beispiel für Divergierende Plattengrenzen ist der Ostafrikanische Grabenbruch. Er erstreckt sich über 6000 Kilometer quer durch Ostafrika und ist etwa 20 Millionen Jahre alt. Immer wiederkehrende Vulkanausbrüche ließen den Graben kontinuierlich wachsen. Bis heute ist der Ostafrikanische Graben eine tektonisch sehr aktive Zone. Neben den Vulkanen in Äthiopien und Kenia gehört auch der 5895 Meter hohe Kilimandscharo zu diesem Grabensystem.


Konservative Plattengrenzen sind eine Bezeichnung für das seitlich aneinander vorbeistreifen zweier Platten. Dadurch können sehr leicht Spannungen entstehen, die sich in Form von Erdbeben entladen. Das wohl berühmteste Beispiel ist die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien. Bei dieser Störungszone schiebt sich die Pazifische Platte an der Nordamerikanischen Platte etwa 6 cm im Jahr vorbei. Die Verwerfung besitzt eine Länge von über 1000 Kilometer und verläuft von Mexiko bis nach San Francisco. Der San-Andreas-Graben stellt wegen der geringen Entfernung zur Millionenmetropole San Francisco eine nahezu permanente Gefahr da. Diese Erfahrung mussten die Einwohner der Großstadt am 18. April 1906 machen, als ein tödliches Erdbeben mit der Stärke 7,8 auf der Richterskala 3000 Menschen das Leben kostete. Es löste lodernde Feuersbrünste aus und ließ zahlreiche Gebäude einstürzen.
Auswertung: Den größten Anteil aktiver Vulkane nehmen die Divergierende- und Konvergierende Plattengrenzen ein, weil es aufgrund der Driftbewegung sehr leicht zum Entstehen bzw. zum Austreten von Magma kommen kann. Bei den Konservativen Plattengrenzen geht die größte Gefahr von schweren Erdbeben aus.