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Tavurvur

 

Im Nordosten der zu Papua Neuguinea gehörenden Insel Neubritannien erhebt sich der aktive, nur 223 Meter hohe Vulkan Tavurvur. Dieser Vulkanname stammt aus der einheimischen Tolai-Sprache und bezieht sich auf das Brodeln heißer Quellen am Fuße des Tavurvur. Dort erhebt er sich mit seinen mit Asche bedeckten Flanken unweit der kleinen Naturhafenstadt Rabaul mit rund 70000 Einwohnern. Sie war bis zu einem verhängnisvollen Vulkanausbruch am Tavurvur die Hauptstadt der Provinz East New Britain, sowie politisches und wirtschaftliches Zentrum im Osten Neubritanniens. Sowohl die Stadt als auch der Vulkan sind Teil der über 100 km² großen Rabaul-Caldera, in der sich auch noch weitere potenziell gefährliche Vulkane befinden. Davon sind der Tavurvur und jüngere Vulcan die einzigen Vulkane der Rabaul-Caldera, die als geologisch aktiv gelten. Die Caldera entstand bei einer massiven Eruption der Stärke 6 im Jahre um etwa 550 nach Christus, bei der der alte Vulkankomplex vollständig kollabierte. Die Explosivität der Ausbrüche ist auf äußerst viskoses Magma mit einem hohen Kieselsäuregehalt zurück zu führen. Gelegentlich fördert der Tavurvur auch Dazit, Rhyolith und basaltreiche Laven, welche aufgrund dieser Zusammensetzung meist explosionsartig austreten. Die Geschichte des Vulkans ist also von mehreren heftigen Eruptionen gekennzeichnet, die teils auch die nahegelegene Stadt Rabaul bedrohten. Besonders gefährdet war die Stadt bei einem Ausbruch mit Pyroklastischen Strömen im Jahre 1937, wobei 507 Menschen starben. Doch für die Bewohner der Stadt Rabaul sind die Lawinen aus heißer feinkörniger Vulkanasche am Tavurvur nicht die einzigen Gefahren. Am 18. September 1994 kam es am Tavurvur und am Vulcan gleichzeitig zu einer Eruption, bei der sich ein Pyroklastischer Strom ins Meer ergoss. Dies löste einen Tsunami aus, der 300 Meter weit ins Land eindrang und alles auf seinem Weg zerstörte. Die Aschewolke wurde bei der Initialphase des Ausbruchs teilweise bis zu 18 Kilometer hoch geschleudert. Anschließende Regenfälle verwandelten das auf den Flanken des Vulkans liegende Lockermaterial in reißende Schlammströme. Doch die Katastrophe ging noch glimpflich aus, weil viele Menschenleben dank einer gelungenen Evakuierung der Stadt gerettet werden konnten. Der Sachschaden fiel hingegen deutlich höher aus, denn fast ein dreiviertel der Stadt Rabaul wurde von den Schlammmassen und dem Ascheregen der beiden Vulkane verschüttet. Während der Ausbruch am Vulcan Anfang Oktober 1994 endete, war der Tavurvur nach der Initialphase der plinianischen Eruption noch 7 Monate lang tätig. Durch die anhaltende Aktivität am Tavurvur wurde ein Wiederaufbau der Stadt unrealisierbar, sodass sie verlegt werden musste. Die meisten Menschen flohen und siedelten zur etwa 30 Kilometer entfernten Stadt Kokopo, zu der auch sämtliche Verwaltungszentren verlegt wurden. Seitdem ist Kokopo die neue Provinzhauptstadt von East New Britain und zugleich auch die siebtgrößte Stadt Papua Neuguineas. Sie liegt in ausreichender Entfernung zum Vulkan Tavurvur, sodass selbst bei einer größeren Eruption das Risiko für die Bevölkerung geringstmöglich ist. Dennoch verblieben in der größtenteils zerstörten Stadt Rabaul etwa 4000 Menschen in unmittelbarer Nähe zum Vulkan. In den folgenden Jahren blieb der Tavurvur jedoch vergleichsweise ruhig, bis die Idylle am 7. Oktober 2006 von einer weiteren großen Eruption unterbrochen wurde. Der Vulkan spie eine Aschewolke bis in die Stratosphäre und ließ Fensterscheiben noch in 12 Kilometern Entfernung erschüttern. Die zurückgebliebenen Bewohner der Stadt Rabaul blieben jedoch verschont, aber nur weil die feine Asche dank der Windrichtung von den Menschen weggeweht wurde. Die eruptiven Ereignisse in der Geschichte des Vulkans sind der Grund, weshalb der Tavurvur als hochexplosiv und als extrem gefährlich einzustufen ist. Der Vulkan ist auch weiterhin tätig, jedoch können zwischen seinen Eruptionen längere Ruhephasen liegen. Je nach der Länge der Aktivitätspause variiert die Stärke der darauffolgenden Eruption. 

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